Kapitalismus und Krieg: zwei Seiten einer Medaille? Nicht nur Rosa Luxemburg versuchte, den Ersten Weltkrieg ökonomisch zu erklären

»Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen« – so der französische Sozialist Jean Jaurès, der wenige Tage vor Beginn des Ersten Weltkrieges von Nationalisten ermordet wurde. Kapitalismus und Krieg: zwei Seiten einer Medaille. Der Imperialismus bringt die kriegerische Logik, die dem Kapitalismus eingeschrieben sein soll, auf den Begriff. Selten wird danach gefragt, was an dieser linken Binsenweisheit dran ist, dass die Profitlogik notwendigerweise in die Kriegslogik umschlagen muss.

Von Ingo Stützle

capitalismDer Erste Weltkrieg steht für den imperialistischen Krieg par excellence, dafür, dass der ausbeuterische Charakter des Kapitals über die bürgerlichen Stränge schlagen kann – und muss. Reinhard Opitz schreibt in seinem Standardwerk »Europastrategien des deutschen Kapitals 1900-1945«: »Es war ja keineswegs so, dass etwa erst der Ausbruch des Ersten Weltkrieges die in der Flut industrieller Kriegszieleingaben sich manifestierenden Expansionsgelüste des deutschen Kapitals geweckt hätte, es hatten umgekehrt diese zum Krieg getrieben.« Die von ihm gesammelten und aufbereiteten Dokumente sprächen für sich, so der marxistische Sozialwissenschaftler.

Der marxistische Historiker Eric Hobsbawm widerspricht: »Jede unparteiische Untersuchung der Wirtschaftspresse, der Privat- und Geschäftskorrespondenz von Geschäftsleuten, ihrer öffentlichen Erklärungen als Wortführer von Bankwesen, Handel und Industrie beweist schlüssig, dass für die Mehrheit der Geschäftsleute ein internationaler Frieden ihren Interessen am besten diente. Der Krieg selbst war nur insofern akzeptabel, als er den normalen Gang der Geschäfte nicht beeinträchtigte«.

Zwischen diesen beiden Positionen findet sich die des Sozialisten und Sozialwissenschaftlers Hansgeorg Conert: »Dass z.B. der erstarkende deutsche Kapitalismus ökonomisch über Staatsgrenzen hinaus drängte, war gleichsam gesetzmäßig. Dass das in imperialistischen, unmittelbar auf staatlich-politische Gewaltmittel gestützten Formen erfolgte, war in Anbetracht der historischen Gesamtumstände mehr als wahrscheinlich. Auf die zu dieser Zeit kapitalistisch entwickelten Staaten insgesamt bezogen, kann das aber nicht im Sinne einer zwingenden immanenten Tendenz behauptet werden.«

Drei Marxisten, drei Meinungen. Die »historischen Fakten« beantworten also die Frage nicht, wie ökonomisch zwingend der Erste Weltkrieg war. Es sind vielmehr die theoretischen Prämissen, die bei der Interpretation der Ereignisse, »Fakten« sowie Interessenlagen und -bekundungen von Unternehmen das eine oder das andere Analyseergebnis mit sich bringen. Vor allem sind es die Prämissen darüber, wie das Verhältnis zwischen kapitalistischer Ökonomie und Staatsgewalt gedacht wird.

Lenins klassische Imperialismustheorie
Die klassische Imperialismustheorie wurde vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs von Lenin formuliert. Laut Lenin fallen die politische und die ökonomische Macht tendenziell zusammen – unter Dominanz des Finanzkapitals. Lenin periodisiert die kapitalistische Entwicklung. Die Phase der Konkurrenz sei von der Herrschaft der Monopole abgelöst worden. Statt dem Zwang der ökonomischen Verhältnisse herrscht Lenin zufolge »der Druck der wenigen Monopolinhaber auf die übrige Bevölkerung«. Der Modus Operandi ist nicht mehr die Konkurrenz, sondern intentionale Herrschaft: »Durch die Monopolinhaber werden alle diejenigen abgewürgt, die sich dem Monopol, seinem Druck, seiner Willkür nicht unterwerfen.« In »Staat und Revolution« konzipiert er den Staat deshalb als an sich neutrales Instrument der jeweils herrschenden Klasse bzw. von deren mächtigsten Teilen und gesteht dem Staat keine Autonomie gegenüber mächtigen Einzelinteressen des Kapitals bzw. der Monopole zu.

Lenin zufolge ist die höchste Stufe des Kapitalismus, so der Untertitel seiner Imperialismusschrift, zugleich dessen letzte Phase – der Kapitalismus zerfällt von innen. »Der Kapitalismus ist so weit entwickelt, dass die Warenproduktion, obwohl sie nach wie vor herrscht und als Grundlage der gesamten Wirtschaft gilt, in der Wirklichkeit bereits untergraben ist«. (Zitate: Lenin 1917) An die Stelle des Wertgesetzes treten unmittelbare Herrschaftsverhältnisse und die damit verbundene Gewalt als Vermittlung der Reproduktion. Politische und ökonomische Macht verschmelzen und setzen zugleich eine Steuerungs- und Planungsmöglichkeit frei, die es Lenin zufolge zu erobern gelte. Nicht ohne Grund sah Lenin in der Deutschen Post, aber auch der Kriegswirtschaft der damaligen Zeit ein Vorbild für die sozialistische Wirtschaft. Die scheinbare Neutralität der technischen Organisation der Produktion spiegelt sich in der Vorstellung vom Staat wider.

Vor diesem Hintergrund ist es auch wenig verwunderlich, warum Lenin den Ersten Weltkrieg für wenig erklärungsbedürftig hält. Kapitalistischer Wirtschaft sei der Expansionstrieb eingeschrieben, und in der monopolitischen Phase bedienen sich die großen Konzerne eben staatlicher Gewalt. Lenins Konzeption wurde durchaus weiterentwickelt. Der Erste Weltkrieg, »den die Regierungen und bürgerlichen Parteien aller Länder jahrzehntelang vorbereitet haben«, so Lenin 1914, war, so ergänzt der DDR-Historiker Kurt Gossweiler in seinem Buch »Großbanken, Industriemonopole und Staat«, »vor allem der Krieg des deutschen Imperialismus.« Gossweiler argumentiert in seiner Studie, dass das Kapital in neue Industrien (Chemie, Elektronik) und Schwerindustrie fraktioniert sei; die einzelnen Fraktionen würden unterschiedliche Interessen verfolgen und hätten auch unterschiedliche Vorstellung davon, wie der Staat in die (Welt-)Wirtschaft eingreifen solle.

Dennoch bleibt unklar, wie der Staat diese Interessen moderiert bzw. als ideeller Gesamtkapitalist in Politik übersetzt bzw. als Kriegskurs zum Ausdruck bringt. Obwohl Gossweiler sogar selbst den Staat als ideellen Gesamtimperialisten bezeichnet, der sich gegen Sonderinteressen durchsetzen müsse, bietet seine Studie eine gute Grundlage, die staatstheoretisch gegen den Strich gelesen werden müsste.

Rosa Luxemburg
Rosa Luxemburg, die eine weitere prominente Imperialismustheorie ausgearbeitet hat, argumentiert anders. Ihr Hauptwerk »Die Akkumulation des Kapitals«, in dem sie ihre Argumentationen ausführt, endet mit einem Kapitel über Militarismus. Das Buch erschien 1913, ein Jahr vor Beginn des Ersten Weltkrieges, und hat allein deshalb schon ein prognostisches Flair. Ihr analytischer Ausgangspunkt ist der zweite Band des Marx’schen Kapitals. Dort thematisiert Marx die spezifischen stofflichen und die monetären Austauschverhältnisse zwischen Kapital und Arbeit, die die Reproduktion des Kapitalverhältnisses ermöglichen.

Luxemburg kritisiert, dass Marx ein zu harmonisches Bild zeichne, quasi eine Theorie des Gleichgewichts. Luxemburg ist Kind ihrer Zeit und mit einer zunehmend reformistischen SPD konfrontiert. Mit ihrer Kritik trifft sie deshalb nicht Marx, sondern die theoretischen Köpfe der europäischen Sozialdemokratie. Zum Beispiel Lenins Stichwortgeber, den Austromarxisten Rudolf Hilferding: »Gerade der zweite Band des Kapital zeigt, wie innerhalb des kapitalistischen Systems die Produktion auf immer erweiterter Stufenleiter möglich ist. Ich habe mir oft gedacht, es ist nicht so schlimm, dass der zweite Band so wenig gelesen wird, denn es könnte unter Umständen ein Hohelied des Kapitalismus aus ihm herausgelesen werden.«

Luxemburg kritisiert, dass Marx aufgrund ungerechtfertigter Abstraktionen und »Schummelei« zu einem Modell gleichgewichtiger Reproduktion komme. Vor dem Hintergrund ihrer Kritik stellt Luxemburg heraus, dass der Kapitalismus sich langfristig nur auf Grundlage nicht-kapitalistischer Milieus und einem »Außen« entwickeln könne. Das sei der Grund für Kolonialismus und Krieg: »Der Imperialismus ist der politische Ausdruck des Prozesses der Kapitalakkumulation in ihrem Konkurrenzkampf um die Reste des noch nicht mit Beschlag belegten nichtkapitalistischen Weltmilieus.« In diesem Prozess geraten dann auch die Großmächte aneinander. Die Kartellbewegung und Konzentration des Bankenwesens, da ist Luxemburg wieder eng bei Lenin und Hilferding, »hat die Schwerindustrie, d.h. gerade den an Staatslieferungen, an militärischen Rüstungen wie an imperialistischen Unternehmungen … unmittelbar interessierten Kapitalzweig, zum einflussreichsten Faktor im Staate organisiert.« (Luxemburg 1916) Aber auch in Luxemburgs Hauptwerk fehlt eine Theorie des Staates, die erklären könnte, wie sich ökonomische Interessen und gesellschaftliche Kräfteverhältnisse als Kriegskurs artikulierten. Diese Leerstelle ist ganz unabhängig davon zu konstatieren, ob Luxemburgs Kritik an Marx haltbar ist oder nicht.

Aber auch inhaltlich ist Luxemburg zu widersprechen. Selbst »unter der Einbeziehung variabler organischer Zusammensetzung und Mehrwertrate« ist keine Aussage darüber möglich, ob »zwangsläufig Lücken in der Gesamtnachfrage auftauchen«, es also ein »Außen« braucht. (Bader u.a.) Diese Aussage ist aber nicht mit einer Theorie des Gleichgewichts zu verwechseln. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Marx formuliert Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit die Reproduktion des gesellschaftlichen Gesamtkapitals möglich ist, die umgekehrt Störungen als große Wahrscheinlichkeit begründen.

Aber auch die SPD, von der sich Luxemburg nicht nur theoretisch, sondern mit der Gründung der KPD auch politisch-organisatorisch absetzte, hatte ein reduktionistisches Staatsverständnis. Dieter Groh schreibt: »Das Imperialismusverständnis … schloss die Kapital- und Warenausfuhr sowie die Konkurrenz um die Märkte mit den politischen Konflikten allzu schnell kurz. Die mit der Ideologie der Sozialdemokratie gegebene Überrationalisierung politischen Handelns förderte diesen Kurzschluss von Ökonomie und Politik, denn für die in den imperialistischen Tendenzen zum Ausdruck kommende Irrationalität war in ihrem Interpretationsrahmen kein Platz.«

Es geht nicht ohne Staatstheorie
Das zeigt: Jeder Versuch, Imperialismus und Krieg (und den Ersten Weltkrieg im besonderen) auf ihren ökonomischen Inhalt zu analysieren, bedarf einer Theorie des Staates. Darauf haben in den letzten Jahren vor allem Leo Panitch und Sam Gindin hingewiesen: »Das Verständnis des kapitalistischen Imperialismus erfordert also die Einbeziehung einer Theorie des kapitalistischen Staates, statt einer direkten Ableitung von der Theorie der ökonomischen Stufen (wie Lenin) oder Krisen. Solch eine Theorie muss nicht nur die genaue Konstellation der Vorherrschaft eines einzigen imperialen Staates umfassen, sondern auch die strukturelle Durchdringung ehemaliger Konkurrenten durch einen einzigen imperialen Staat«, d.h., wenn es einer Hegemonialmacht gelingt, die Weltordnung in ihrem Sinne zu formen.

Im Anschluss an staatstheoretische Überlegungen von Eugen Paschukanis, Johannes Agnoli und Nicos Poulantzas wird deutlich, wie der Staat als außerökonomische Zwangsgewalt ein kapitalistisches Gesamtinteresse eruiert und schließlich durchsetzt – nach außen gegen andere Staaten, aber auch nach innen gegen die Interessen der Einzelkapitale. Der Staat ist keine Agentur zur Durchsetzung kapitalistischer Einzelinteressen, haben sie auch noch so starke Marktmacht (Monopole). Der Staat organisiert als ideeller Gesamtkapitalist vielmehr die allgemeinen Bedingungen für die Akkumulation, wobei er dabei nicht allein die Interessen »nationaler Kapitale« berücksichtigt, sondern eben auch internationalisierte Kapitale. Die Staaten internationalisieren sich sozusagen von innen heraus.

Gleichzeitig muss der Staat immer auch den nötigen Konsens organisieren – nicht nur auf seiten des Kapitals, sondern auch in der Arbeiterklasse. Dafür braucht er Geld, das er sich via Steuern besorgt oder auf den Finanzmärkten leiht. Damit ist ein Staat alles andere als autonom von der Wirtschaft, sondern selbst in gewisser Weise dem Imperativ der Kapitalverwertung und deren Erfolg untergeordnet. Die Steuereinnahmen richten sich nach dem Erfolg der Akkumulation (Wirtschaftswachstum); mit den Staatsanleihen ist er den Finanzmärkten unterworfen – besonders dann, wenn der Staat sich nicht in der eigenen Währung, sondern nur in Fremdwährung (US-Dollar, Euro oder Pfund) verschulden kann, denn die Möglichkeit, die Schulden zu bedienen, ist dann zusätzlich von Wechselkursschwankungen abhängig.

Der Staat als außerökonomische Zwangsgewalt geht mit einer Rationalisierung von Herrschaft (Bürokratie, Rechtsform) und einer Zentralisierung legitimer Gewaltsamkeit (Polizei, Militär) einher. Einzelne Unternehmen mögen an Rüstung verdienen, Kriege führen aber die Staaten. Für die Analyse des Ersten Weltkriegs bedeutet dies: Nur weil Unternehmen an der Militarisierung verdienten, wurde nicht in ihrem Interesse der Krieg angezettelt.

Bürokratisierung und die Zentralisierung von Gewaltsamkeit sind selbst Formen der Legitimierung von bürgerlicher Herrschaft. Diese bringt aber eine Eigenlogik mit sich. Eine Eigenlogik, die nicht auf die Durchsetzung ökonomischer Interessen reduzierbar ist. Eine Logik, der, wie Louis Althusser gezeigt hat, auch eine zutiefst ideologische Funktion zukommt. Das Militär ist – neben der Familie und der Schule – eine der zentralen Einrichtungen, in der Unterordnung und Gehorsam, Disziplin und Nationalismus eingeübt werden. Und umgekehrt kann Nationalismus selbst zur Triebkraft des Militärischen werden.

Staaten existieren immer als Staatensystem, auch das unterstreichen Panitch/Gindin. Aber auch hier geht es nicht um die Durchsetzung konkreter Kapitalinteressen, sondern um allgemeine Produktionsbedingungen und vor allem um die Ausweitung und Sicherung staatlicher Handlungsoptionen. Wie diese Optionen garantiert werden, steht auf einem anderen Blatt: ökonomische Durchdringung, Machtpolitik, institutionelle Strategien, unilaterale oder multilaterale Bündnisse – oder eben Krieg.

Erst Gewalt etabliert Recht
Deshalb zeigt sich bei Staatenkonflikten etwas in besonderem Maße, was Walter Benjamin für das bürgerliche Recht als solches herausgestellt hat: dass erst die Gewalt das Recht etabliert. Ohne Gewaltverhältnisse keine Rechtsverhältnisse. Gewalt ist in herrschaftsförmigen Verhältnissen immer in der einen oder anderen Form eingeschrieben, auch wenn sie in spezifischer Weise verrechtlicht sind. Schon Marx hielt in den »Grundrissen« (auch gegen die sozialistischen KollegInnen) fest: »Den bürgerlichen Ökonomen schwebt nur vor, dass sich mit der modernen Polizei besser produzieren lasse als z.B. im Faustrecht. Sie vergessen nur, dass auch das Faustrecht ein Recht ist, und dass das Recht des Stärkeren unter andrer Form auch in ihrem Rechtsstaat fortlebt.«

Bei Lenin werden die Weltmarktverhältnisse wieder vom Faustrecht geprägt. Schon Christel Neusüss kritisierte vor diesem Hintergrund Lenin: »Der Konkurrenzkampf wandelt sich zum politischen und militärischen Machtkampf, die Profitmacherei selbst wird zur bloßen Manie, zur Beutegier.«

Weil es keinen Weltstaat gibt, werden die globalen Spielregeln der Staaten meist von der Macht des Stärkeren, den Großmächten, geprägt – auch innerhalb internationaler Organisationen wie UNO oder IWF. Gleichwohl muss diese Weltordnung immer auch von einem breiten Staatenbündnis akzeptiert und von einer hegemonialen Weltmacht organisiert werden und die hegemoniale Macht »Verantwortung« im globalen Maßstab annehmen, Ordnungsmacht sein. Beides traf vor dem Ersten Weltkrieg nicht mehr zu, obwohl die Großmächte noch zur Jahrhundertwende ihre gemeinsamen Interessen als Kolonialmächte während der Niederschlagung des sogenannten Boxeraufstandes in China verteidigten.

Der Erste Weltkrieg zeigt also, dass Großbritannien nicht mehr Weltordnungsmacht sein konnte, die USA bis nach dem Zweiten Weltkrieg nicht sein wollten. Vor allem Eric Hobsbwam hat deutlich gemacht, dass der Erste Weltkrieg nur als Resultat einer ins Wanken geratenden Weltordnung zu verstehen ist, aus dem Wechselspiel der Großmächte, die um ihre Handlungsoptionen in der Weltpolitik und deren ökonomische Grundlagen bangten.

Es zeigt sich: Weder übersetzten sich wirtschaftliche (Einzel-)Interessen einfach in Politik. Sie reichen nicht nur nicht als alleinige Erklärungsfaktoren, sondern es muss gezeigt werden, wie sie politisch aufbereitet und staatlich-bürokratisch »verarbeitet« werden. Poulantzas folgend, können hierbei staatliche Apparate auch gegeneinander arbeiten. Staaten sind keine monolithischen Blöcke. Aber für ein Kriegsklima, also die Bedingung dafür, dass Krieg als engere Option in Betracht kommt, bedarf es auch der Berücksichtigung kultureller und gesellschaftlicher Faktoren (»öffentliche Meinung«). In einem differenzierten Sinne gehört der Krieg also zum Kapitalismus. Nicht aber in dem Sinn, dass er die Profitlogik von Einzelkapitalien ins Politische verlängert. Weder 1914, noch bei einem Krieg danach, der die Welt in Atem hielt.

Literatur:
Veit Michael Bader u.a.: Krise und Kapitalismus bei Marx. Frankfurt am Main 1975.
Hansgeorg Conert: Vom Handelskapital zur Globalisierung. Entwicklung und Kritik der kapitalistischen Ökonomie. Münster 2002.
Kurt Gossweiler: Großbanken, Industriemonopole und Staat. Ökonomie und Politik 1914 bis 1932 (1971). Köln 2013.
Dieter Groh: Negative Integration und revolutionärer Attentismus. Die deutsche Sozialdemokratie am Vorabend des Ersten Weltkrieges. Frankfurt am Main 1973.
Eric J. Hobsbawm: Das imperiale Zeitalter. 1875-1914 (1987). Frankfurt am Main 2008.
Wladimir Iljitsch Lenin: Der Krieg und die russische Sozialdemokratie (1914). Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (1917).
Rosa Luxemburg: Die Akkumulation des Kapitals (1913). Die Krise der Sozialdemokratie (1916).
Christel Neusüss: Imperialismus und Weltmarktbewegung des Kapitals. Kritik der Leninschen Imperialismustheorie und Grundzüge einer Theorie des Verhältnisses zwischen den kapitalistischen Metropolen. Erlangen 1975.
Reinhard Opitz (Hg.): Europastrategien des deutschen Kapitals (1977). Köln 1994.
Leo Panitch und Sam Gindin: Globaler Kapitalismus und amerikanisches Imperium. Hamburg 2004.
Ingo Schmidt (Hg.): Rosa Luxemburgs »Akkumulation des Kapitals«. Die Aktualität von ökonomischer Theorie, Imperialismuserklärung und Klassenanalyse. Hamburg 2013.

Erschienen in: ak – analyse & kritik. Zeitung für linke Debatte und Praxis, Nr. 592 vom 18.3.2014.

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