Mehr Respekt für deutsche Handelswege: Finde den Unterschied

Horst Köhler bei seiner Rede im Camp Marmal, Mazar-e-Sharif Afghanistan

Für Kinder gibt es in Zeitschriften oft sogenannte Suchbilder. Bei zwei fast identisch abgedruckten Bildern sollen kaum erkennbare Unterschiede gefunden werden. Gestern hat der Deutschlandfunk ein derartiges Spiel veranstaltet. Und zwar bei einem Bericht über Köhlers Rede in Afghanistan und einem anschließenden Interview. Danach gab es zwei Kurzmeldungen zu lesen.

Samstag, 22. Mai 2010 12:00 Uhr
Köhler fordert mehr Respekt für deutsche Soldaten in Afghanistan

Den deutschen Soldaten in Afghanistan sollte nach den Worten von Bundespräsident Köhler mit mehr Respekt begegnet werden. Die Bundeswehr leiste dort Großartiges unter schwierigsten Bedingungen, sagte Köhler im Deutschlandradio Kultur nach einem Besuch im Feldlager Masar-i-Scharif. Es sei in Ordnung, wenn kritisch über den Einsatz diskutiert werde. Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Als Beispiel für diese Interessen nannte Köhler ‚freie Handelswege‘. Es gelte, Zitat ‚ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auf unsere Chancen zurückschlagen‘ und sich somit negativ auf Handel und Arbeitsplätze auswirkten. Köhler hatte auf der Rückreise von China einen Zwischenstopp in Afghanistan eingelegt.

Eine Stunde später liest es sich dann so:

Samstag, 22. Mai 2010 13:00 Uhr
Köhler fordert mehr Respekt für deutsche Soldaten in Afghanistan

Den deutschen Soldaten in Afghanistan sollte nach den Worten von Bundespräsident Köhler mit mehr Respekt begegnet werden. Die Bundeswehr leiste dort Großartiges unter schwierigsten Bedingungen, sagte Köhler im Deutschlandradio Kultur nach einem Besuch im Feldlager Masar-i-Scharif. Es sei in Ordnung, wenn kritisch über den Einsatz diskutiert werde. Allerdings müsse Deutschland mit seiner Außenhandelsabhängigkeit zur Wahrung seiner Interessen im Zweifel auch zu militärischen Mitteln greifen. Als Beispiel für diese Interessen nannte Köhler ‚freie Handelswege‘. – Der Bundespräsident hatte auf der Rückreise von China gestern einen Zwischenstopp in Afghanistan eingelegt.

Ja, die zweite Meldung ist irgendwie gekürzt – nicht zensiert versteht sich. Noch interessanter ist der Mitschnitt des Interviews bzw. an welchem Punkt das Gespräch abbricht. Natürlich ist das Interview nicht zensiert, sondern nur gekürzt  – um die Aussagen zu den ökonomischen Interessen Deutschalnds in der Welt:

»Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern , die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.«

Mit ökonomischen Interessen kennt sich der ehemalige Chef des IWF Horst Köhler aus. Wegen seinem ökonomischen Sachverstand wollte die CDU ihn ja als Bundespräsidenten – als Präsident aller Deutscher versteht sich.

Wenn in Deutschland ein Diskurs über Afghanistan geführ werden soll, das forderte Köhler in seinem Gespräch mit Deutschlandfunk, dann ist es für die Kriegsmobiliserung an der Heimatfront natürlich nicht besonders förderlich, wenn der Bundespräsident unterstreicht, dass der Krieg nicht für Menschenrechte und Demokratie, sondern für Handelswege und Arbeitsplätze in Deutschland geführt wird. Dumm gelaufen. Zum Glück gibt es aufmerksame JournalistInnen beim Deutschlandfunk, die das wieder gerade rücken.

Das gesamte Gespräch mit Deutschlandradio findet sich – versteckt –

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bei dradio.de.

Foto: CC-Lizenz, isafmedia

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5 Kommentare

  1. Am 23. Mai 2010 um 11:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Wenn in Deutschland ein Diskurs über Afghanistan geführ werden soll, das forderte Köhler in seinem Gespräch mit Deutschlandfunk, dann ist es für die Kriegsmobiliserung an der Heimatfront natürlich nicht besonders förderlich, wenn der Bundespräsident unterstreicht, dass der Krieg nicht für Menschenrechte und Demokratie, sondern für Handelswege und Arbeitsplätze in Deutschland geführt wird.“

    Bist Du Dir da so sicher? Ich könnte mir ja gut vorstellen, daß die Zustimmung zum Krieg schlagartig steigt, wenn er offen für den „Standort“ geführt wird.

    PS.: Im ersten Satz fehlt ein „in“.

  2. Am 23. Mai 2010 um 11:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Allgemein kann ich mich das auch vorstellen. Sehr gut sogar. Nur zur Zeit nicht. Da muss noch ein wenig „diskursive“ Vorarbeit geleistet werden. Das Interview ist jetzt eine Art Testballon. Mal sehen, was die kommenden Tage so an Reaktionen kommen.

  3. Am 23. Mai 2010 um 16:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nachtrag: Köhler liegt damit aber auf Linie, schließlich hatte Kanzlerin Merkel erst am 22.4.2010 in einer Regierungserklärung militärische Einsätze zur Staatsräson erklärt: »Militärische Zurückhaltung und der Einsatz militärischer Mittel als Ultima Ratio – das ist Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland, und zwar verbunden mit der politischen Verantwortung, die wir aufgrund unserer wirtschaftlichen Stärke, unserer geografischen Lage im Herzen Europas wie auch als Mitglied unserer Bündnisse wahrnehmen.«

  4. Jörn Giest
    Am 26. Mai 2010 um 20:22 Uhr veröffentlicht | Permalink

    mir fällt dazu nur Carl Schmitt ein – Der Begriff des Politischen. Seine Kritk am Liberalismus und die Sticheleien a la in Zukunft genügt es vielleicht, wenn ein Staat seine Schulden nicht zahlen kann, um ihn mit « friedlichen Mitteln » zum Einlenken zu zwingen usw. bin grad zu faul zum zitieren.

  5. Jörn Giest
    Am 28. Mai 2010 um 08:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

    im separatdruck wäre es eine fußnote auf p. 55 und außerdem p. 77. in der fußnote ätzt Schmitt, in zukunft genüge es vielleicht, wenn ein volk seine schulden nicht bezahlt, um gegen es einen krieg anzuzetteln, bzw., wie es später heißt, mit « friedlichen mitteln » vorzugehen.
    ich habe schon einmal letztes jahr die berliner rede des bundespräsidenten zum anlaß genommen, nach parallelen zu konservativen vordenkern zu fanden, und bin in zwei reden von werner sombart und carl schmitt von 1932 auch fündig geworden. köhlers reden mausern sich ja inzwischen zu einer richtigen goldgrube für seminararbeiten !

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