Aufgeblättert: Aufstand aus der Küche

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Aufstand aus der Küche heißt ein neues Bändchen aus dem Hause edition assemblage. Es versammelt drei wichtige Beiträge zur feministischen Ökonomiekritik der Marxistin Silvia Federici.[1. Im Juni 2012 bestreiteten Silvia Federici und Melinda Cooper die »Luxemburg-Lecture« in Berlin zum Thema »Das Unsichtbare sichtbar machen. Reproduktionsarbeit, Biotechnologie und geschlechtliche Arbeitsteilung.« Ein Mitschnitt findet sich auf der Website der RLS.] Seit den 1970er Jahren stellt Federici die weibliche Reproduktionsarbeit ins Zentrum politischer Diskussionen und Auseinandersetzung. Es ist dem Kollektiv Kitchen Politics zu danken, dass sie die Texte zugänglich gemacht haben.

Federici war Gründungsmitglied des International Feminist Collective, das 1972 die internationale Kampagne »Lohn für Hausarbeit« initiierte. Die Forderung war eine strategische Intervention mit dem Ziel, das Kräfteverhältnis von Kapital und Lohnarbeit zu verschieben — aus einer feministischen Perspektive. Hausarbeit sollte ihre scheinbare Natürlichkeit genommen werden — deshalb auch Aufstand aus, nicht in der Küche. Und mehr noch: Federici thematisierte die Herstellung von Geschlecht als Teil gesellschaftlicher Praxis und nahm damit, das unterstreicht das Kollektiv Kitchen Politics, einige Thesen aus den Queerdebatten vorweg. Was Federici weiter auszeichnet ist, dass sie den Raum der politischen Auseinandersetzung nicht auf die Hausarbeit, die Küche, beschränkt, sondern bis ins »Schlafzimmer« ausweitet. Nicht nur die Reproduktion der Arbeitskraft, sondern auch die gesellschaftlichen Bedingungen der Reproduktion der Gattung Mensch hat einen kapitalistischen Charakter, der sich in die Geschlechterverhältnisse einschreibt — und umgekehrt.

Neben Federicis Beitrag zur Lohn-für-Hausarbeit-Kampagne von 1974 versammelt das Bändchen zwei neue Texte. Einer thematisiert Reproduktionsarbeit unter den Bedingungen des globalisierten Kapitalismus; der andere ist ein feministischer Beitrag zur Commons-Debatte, mit dem sich Federici auch in der Occupybewegung zu Wort meldete. Neben den drei Beiträgen von Federici wird auch die kluge Einleitung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass feministische Ökonomiekritik und Kapitalismuskritik in Zukunft stärker zusammengedacht werden können.

Silvia Federici: Aufstand aus der Küche. Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution. edition assemblage, Münster 2012. 128 Seiten, 9,80 EUR.

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Ingo Stützle

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