Karl Marx in Sendai

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Im freitag ist ein sehr kurzer Beitrag zur japanischen Marx-Lektüre erschienen: »Karl Marx in Sendai«. Der Beitrag kokettiert mit der marxistischen Orientierung der Mitglieder der dortigen Wissenschaftlichen Gesellschaft für Politische Ökonomie.

»Die japanische ‘Wissenschaftliche Gesellschaft für Politische Ökonomie’ zählt an die 800 Professoren zu ihren Mitgliedern, und – man glaubt es kaum, hat es aber von mehreren Seiten bestätigt bekommen – sie seien alle mehr oder weniger marxistisch orientiert. Da hätte bei uns der Verfassungsschutz aber zu tun!«

Puppen des mexikanischen Künstlers Pedro Reyes auf der yokohama triennale 2008

Wer Jan Hoffs Buch Marx global gelesen hat merkt allerdings schnell, dass Japan zwar hinsichtlich der Marx-Rezeption eine herausragende Rolle spielt, dass sich aber vor allem Deutschland durch einen hinterwäldlerischen Hochschuletrieb auszeichnet. Sowohl in Frankreich, im angelsächsischen Sprachraum, aber eben auch in Korea und anderen Ländern ist es normal, dass an Marx orientierte WissenschaftlerInnen Teil des akademischen Betriebs sind. Deutschland ist in dieser Frage ein »Entwicklungsland«, was sicher auch mit dem seit 1945 grassierenden Antikomunismus zu tun hat. Aber man sollte sich auch nicht täuschen lassen: Der wissenschaftliche Betrieb und die universitären Institution gehorchen eben auch ihrer eigenen Logik und »Marx« ist eben nicht einfach ein Synonym für »links« oder »politisch«.

Lesenswert ist Hoffs Studie in jedem Fall. Meine Besprechung für den Widerspruch findet sich hier.

Foto: yokohama triennale 2008, CC-Lizenz, riverseal

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Ingo Stützle

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