Die schmerzhafte Logik der kapitalistischen Produktionsweise

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Georg Giersberg hat unter der Überschrift “Der Schmerz der Krise” mal wieder der FAZ alle Ehre gemacht. Es ist zu lesen dass einerseits “in der Wirtschaft zunehmend vom Erreichen der Talsohle gesprochen und von der Bodenbildung” die Rede sei. Gleichzeitig würden immer mehr Unternehmen ankündigen, Stellen zu streichen. Giersberg hält fest: “Das ist aber nur auf den ersten Blick ein Widerspruch.”

Da sind wir aber mal gespannt!

clooney_marxism_coffee1Giersberg: “Viele Unternehmen haben zunächst kurzgearbeitet. Das war einerseits der Hoffnung geschuldet, bald wieder auf alte Umsatzhöhen zurückkehren zu können. Es gab andererseits den Unternehmen Zeit, sich ein realistisches Bild vom Umsatzeinbruch und seinen Folgen zu machen. Jetzt ist diese Zeit zu Ende. Mit der Bodenbildung ist das Ausmaß der Krise deutlich zu erkennen.”

Interessant. Die Unternehmen und nicht die Lohnabhängigen haben für weniger Geld weniger gearbeitet und mehr Zeit für Kaffeetrinken gehabt. Weil die Unternehmen weniger arbeiten mussten (Kurzarbeit), hatten sie den Rest des Tages Zeit, sich darüber ein Bild zu verschaffen, wie es angesichts der Krise nun wirklich aussieht. In den Zeitungen steht ja allerlei und die Wirtschaftsforschungsinstitute behaupten auch so einiges. Auch wenn sie teilweise erst gar nichts mehr sagen wollten. Da ist so eine Besinnungszeit nicht schlecht. Das Resultat und damit die Lösung des nur scheinbaren Wiederspruchs sieht so aus:

“Nun sieht man, dass überall dort, wo der Umsatz zweistellig zurückgefallen ist, eine Rückkehr zu alten Umsatzhöhen längere Zeit brauchen wird. Wer 40 Prozent seiner Aufträge verliert, muss hernach um knapp 67 Prozent wachsen, um das alte Niveau wieder zu erreichen. Das wird länger dauern, als man unausgelastete Kapazitäten vorhalten kann.”

Hmm. Gut, nach einer tief greifenden Krise kann man nicht so weitermachen als sei nichts gewesen. Das ist plausibel. Und wem soll man jetzt was nicht vorhalten? So geht es im Text weiter:

“So tragisch im Einzelfall jeder Arbeitsplatzverlust ist, nur wenn die Unternehmen heute auf ihre Effizienz achten, können sie morgen am Aufschwung teilnehmen und wieder neue Arbeitsplätze schaffen.”

Der Einzelfall soll als den Unternehmen nicht vorhalten, dass es Überkapazitäten abbauen muss, um wieder effizient zu sein, an der anstehenden Party “Aufschwung” wieder mitzumachen um damit wieder mehr Einzelfälle einzustellen. In Anlehnung an Marx hieße das dann wohl: Die Akkumulation ist die unabhängige Variable, der Lohn die abhängige, nicht umgekehrt.

Ja, das ist eine schmerzhafte Krisenerfahrung, die aber natürlich nicht dazu führen sollte den Unternehmen irgendwie böse zu sein. Schlechte Profitmöglichkeiten sind natürlich viel schmerzhafter für uns alle.

Schöner hätte die FAZ mal wieder die Logik der kapitalistischen Produktionsweise nicht zum Ausdruck bringen können.

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Ingo Stützle

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