Die Armen werden ärmer, die Reichen werden ärmer

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Die konzeptionellen Ideologen der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft haben eine wirklich bestechende Logik. Auf dem Ökonomen-blog (Frauen scheint es nicht zu geben), der “Stimme der ökonomischen Vernunft” (wo es zumindest mich schon schüttelt) ist zu einem Magazin-Cover (Bild) aus Köln zu lesen:

“Ein gängiges Klischees auf der Titelseite, aber falsch: Die Finanzkrise vergrößert die Kluft zwischen Arm und Reich nicht, sondern verkleinert sie, da besonders die Besserverdiener unter dem Absturz der Aktien- und Immobilienkurse leiden.”

Leuchtet ein. Menschen, die jeden Cent umdrehen müssen, an allen Ecken sparen müssen und Pfandflaschen sammeln, um Ihr Leben zu bestreiten kaufen selten Aktien oder Immobilien. Deshalb sind sie auch weniger direkt vom Absturz der Wertpapier- und Immobilienpreise betroffen. Da diese Wertvernichtung des existierenden Reichtums in einem bestimmten Zeitraum größer ist (weil es eben überhaupt Reichtum gab!) als der Verarmungsprozess der subalternen Klassen schließt sich also Schere zwischen arm und reich.

Dass es einigen immer noch möglich ist, derart dreist zu argumentieren (vgl. hierzu die Soziale Polarisierung in Deutschland – ein Mythos? von Claus Schäfer) macht es einem auch leicht, mal wieder (etwas modifiziert) Flaubert zu zitieren:

“Ich empfinde Hass auf die Dummheit meiner Epoche, ganze Fluten von Hass, die mich ersticken. Scheiße steigt in mir hoch wie bei einem eingeklemmten Bruch, bis in den Mund. Aber ich will sie bei mir behalten, sie eindicken und daraus einen Brei machen, mit dem ich die ÖkonomInnen und IdeologInnen des Kapitalismus beschmieren werde.”

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Ingo Stützle

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