Kreditklemme und Grenzen der Profitabilität

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»Dass die Kapitalisten, die so sehr gegen das ›droit au travail‹ [Recht auf Arbeit] schrien, nun überall von den Regierungen ›öffentliche Unterstützung‹ verlangen […], also das ›droit au profit‹ [Recht auf Profit] auf allgemeine Unkosten geltend machen, ist schön.« (Marx an Engels am 8. Dezember 1857)

In den letzten Monaten ist immer wieder von einer möglichen Kreditklemme die Rede. Letzte Woche hatte die EZB über 1100 capitalismBanken 442 Milliarden Euro für ein Prozent zugeteilt. Für ein Jahr. In der Nacht zu Freitag wurden hiervon 143,4 Milliarden Euro auf Einlagekonten bei der EZB zwischen gelagert. Sozusagen in die Obhut der EZB zurückgegeben. Dafür erhalten die Banken nur ein Viertel von dem, was sie an die EZB zahlen müssen, nämlich nur 0,25 Prozent. Das ist nichts Neues. Anfang 2009 waren zeitweise sogar mehr als 300 Milliarden Euro bei der EZB geparkt. Das Misstrauen zwischen den Banken war so groß, dass sie sich gegenseitig nichts mehr leihen wollten. Irgendwie verständlich.

Am Mittwoch forderte der deutsche Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) die Banken dazu auf, das Geld an die Unternehmen weiterzureichen. Was sie nicht taten. Warum aber so unartig? Hier können zwei Punkte deutlich gemacht werden, die zur Zeit niemand so recht eingestehen will: Zum einen nimmt ein kapitalistisches Unternehmen nur dann einen Kredit auf, wenn es davon ausgeht, mit dem Kredit das vorgeschossene Kapital für eine profitabele Anlage erweitern zu können. Sind die Profitmöglichkeiten gerade nicht besonders gut, nimmt ein Unternehmen auch keinen Kredit auf. Schließlich müsste es mindestens so viel Profit realisieren, wie Zinsen zu zahlen sind.

Natürlich brauchen viele Unternehmen dennoch Kredit. Schließlich herrscht KOnkurrenz. Vor allem jetzt in der Wirtschaftskrise. Aber auch Banken sind kapitalistische Unternehmen und nicht der Caritas-Verein. Weshalb sollten sie gerade den Unternehmen Geld borgen, die mit dem Rücken zur Wand, kurz vor der Pleite und nicht besonders profitabel sind? Und genau so sind zur Zeit die Unternehmen zu charakterisieren, die einen Kredit benötigen.

Das Problem ist also nicht unbedingt eine Kreditklemme. Das Problem ist, dass sich Kapital zur Zeit kaum profitabel anlegen lässt. Einigermaßen solide Unternehmen nehmen kein Geld der Banken, die es ihnen durchaus geben würden. Vor dem Bankrott stehende Unternehmen benötigen Kredit, bekommen von den Banken jedoch keinen. Es sei denn der Staat übernimmt eine Bürgschaft. Kapitalismus eben.

Foto: CC-Lizenz: bright-political

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Ingo Stützle

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