ArchiveMärz 2014

Zeitumstellung: Arbeitskraft soll geschunden werden

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München, Montag, d. 1. Mai 1916. 10 Uhr vormittags, aber gestern um diese Zeit war erst 9 Uhr. Damit ist also der liebe Gott um 1 Stunde geprellt. Landauer verteidigte die Einführung der „Sommerzeit“ als vortreffliche Methode von Lichtersparnis. Ich werde aber das eklige Gefühl nicht los, daß Arbeitskraft geschunden werden soll, und wenn auch vorläufig von einer Verlängerung der Arbeitszeit nicht die Rede ist, so scheint mir doch die Verlängerung des Tageslichts als Verführung dazu höchst verdächtig, ganz abgesehn davon, daß die Verkürzung der Nacht allerlei volkshygienische Bedenken in mir weckt. Denn abgesehn von der gewonnenen Morgenstunde, die dadurch erzielt wird, daß [es] im Sommer zwei Stunden nach Sonnenaufgang ebenso hell ist wie drei Stunden danach, muß der Frühaufsteher, der...

FAQ. Noch Fragen? Ukraine: Hilfe gegen Auflagen

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Bei Marx heißt es, dass im Kapitalismus der stumme Zwang der ökonomischen Verhältnisse herrsche. »Außerökonomische, unmittelbare Gewalt wird zwar immer noch angewandt, aber nur ausnahmsweise.« Was Marx hier über das Verhältnis von Kapital und Lohnarbeit schreibt, gilt auch für Staaten. Zwar finden nach wie vor Kriege zwischen Staaten statt,vorherrschend aber sind »Wirtschaftskriege« sowie positive und negative Sanktionierung. Das muss auch die Ukraine erfahren – nicht nur das laute Säbelrasseln soll Kiew zu der einen oder anderen Politik bewegen. Staaten sind abhängig von Wirtschaftswachstum, das Steuern einbringt, und einer stabilen Währung – sowohl nach innen (Geldwertstabilität) als auch nach außen (Wechselkurs). Die ukrainische Währung Hrywnja war vier Jahre lang an den US...

Rosa Luxemburg zu Berlin

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»Berlin macht auf mich im allgemeinen den widrigsten Eindruck: kalt, geschmacklos, massiv – die richtige Kaserne; und die lieben Preußen mit ihrer Arroganz, als hätte jeder den Stock verschluckt, mit dem man ihn einst verprügelt!« (Rosa Luxemburg an Mathilde und Robert Seidl, 30. Mai 1898)
»Ich … hasse Berlin und die Deutschen schon so, dass ich sie umbringen könnte. Überhaupt braucht man anscheinend zum Leben eine Reserve an Gesundheit und Kräften.« (Rosa Luxemburg an Leo Jogiches, 16. Mai 1898)

Materialistischer Feminismus: PROKLA 174 erschienen

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Mit 1914 setzte nicht nur eine Spaltung der Arbeiterbewegung, sondern auch eine Spaltung der Frauenbewegung ein. Auch wenn “Frauenbewegung” nicht gleichbedeutend mit Feminismus ist oder sein sollte, so stellt sich durchaus die Frage, welchen Feminismus wir meinen, wenn wir von Feminismus sprechen. Ist Feminismus immer Feminismus. Die neue Ausgabe der sozialwissenschaftlichen Zeitschrift Prokla widmet sich dem Thema materialistischer Feminismus. Im Editorial heißt es: Materialistischer Feminismus nimmt umfassend gesellschaftstheoretisch und in emanzipatorischer Perspektive die Gesamtheit der Verhältnisse in den Blick, unter denen Geschlechterungleichheit (re)produziert wird, sich verschiedene Herrschaftsverhältnisse verschränken, aber auch Möglichkeiten des Widerstands...

Heideggers Philosophie hat ganz konkret und ganz unmittelbar Farbe bekannt

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Jürgen Kaube hat in der FAZ Martin Heideggers Schwarze Hefte besprochen, die gerade erschienen sind. Er fragt: »War Martin Heidegger Antisemit? Die Antwort lautet spätestens von heute an: ja.« Auch für Michae Brumlik ist klar: die Schwarzen Hefte formulieren eine Hoffnung auf eine Welt ohne Judentum. Als ich mit dem Studium begann, habe ich mich der sperrigen Universitätssprache u.a. mit Adornos Vorlesungen zur philosophischen Terminologie angenähert, die er 1962/1963 in Frankfurt am Main hielt (und leider noch nicht im Rahmen der Nachgelassenen Schriften erschienen sind). Im Sommer 1962 machte Adorno in einer Vorlesung deutlich, dass Martin Heidegger mit seiner Blut-und-Boden-Philosophie Farbe bekenne. Nach der Vorlesung zu Heidegger am 10. Juli 1962 bekam er einen »Hörerbrief«. Seine 14...

Undemokratischer Antifaschismus

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Heute morgen im Radio: Gregor Gysi (Die Linke) wird von Christoph Heinemann (Deutschlandfunk) zur Ukraine interviewt (Hinweis von Martin Krauss, Protokoll deutschlandfunk): Gysi: »Unsere Regierung sagt einmal, die Verfassung gilt nicht richtig, es ist eine Revolution. Am nächsten Tag sagen wir aber, wir müssen ja die Verfassung einhalten in Bezug auf die Krim. Und wissen Sie, was mich an der Regierung wirklich stört? Da sitzen aber richtige fünf Faschisten drin. Ich habe ja gestern den Vorsitzenden der Swoboda-Partei zitiert. Ich bitte Sie! Und ich finde, gerade die Bundesregierung hätte sagen müssen, hier ist eine Grenze überschritten. Ich meine, der hat gesagt, ›An die Gewehre‹, und dann hat er gesagt, ›Russensäue, Deutsche, Judenschweine und andere Unarten‹. Ich bitte Sie! Das ist der...

Das Ticket zum Diskurs oder warum es die soziale Ungleichheit plötzlich in den Wirtschaftsteil der Presse schafft

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Kürzlich wurden gleich zwei Studien zu Ungleichheit veröffentlicht und heiß diskutiert. Einige Linke rieben sich die Hände – schließlich kam Zuspruch von ungewohnter Seite: dem Internationalen Währungsfonds (IWF). Laut dessen Studie sind ungleiche Einkommensverhältnisse für schwaches Wirtschaftswachstum mitverantwortlich. Die zweite Untersuchung kommt vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Zusammenfassend stellte dieses fest, dass »Deutschland im internationalen Vergleich ein hohes Maß an Vermögensungleichheit« aufweise.
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Bis Sabine Nuss sich erholt hat, werde ich alle vier Wochen etwas zum Krisenstab beitragen.

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