Der Geist von Davos: Klassenkampf von oben

In der Samstagausgabe der FAZ (25.1.2014) werden wir auf den Geist eingestimmt, der die kommende Jahre die politischen und sozialen Auseinandersetzungen prägen wird – Klassenkampf von oben:

Was in Europa zu tun ist, wurde in Davos von Wirtschaftsvertretern, aber auch von hochrangigen Politikern diskutiert. Strukturreformen seien dringend notwendig, vor allem eine Liberalisierung der Arbeitsmärkte. Allein es gehe oft nicht weit und nicht schnell genug. An dieser Stelle meldete sich ein Zuhörer der Debatte und stellte die Frage: „Wären schmerzhafte Strukturreformen politisch nicht leichter umsetzbar, wenn die Menschen davon überzeugt wären, die unmittelbaren Kosten und die anschließenden Erträge würden gerecht verteilt?“ Die Frage rückt die Perspektive in den Mittelpunkt, mit der seit einiger Zeit wieder lebhafter Verteilungsthemen diskutiert werden. Es geht weniger um Neiddebatten, sondern um die Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, sozialer Stabilität und einer vor allem in angelsächsischen Ländern, aber nicht nur dort, ungleicher werdenden Verteilung von Vermögen und Einkommen. Wenn eine wachsende Zahl von Menschen den Eindruck erhalten sollte, dass sich Arbeit nicht lohnt, könnte die Bereitschaft zu Bildung und Ausbildung nachlassen. Es bedarf keines Propheten für die Voraussage, dass in den kommenden Jahren nicht nur in Davos über Verteilungsthemen diskutiert werden dürfte.

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