ArchiveNovember 2013

Staatsbankrott – Nachtrag zur Buchvorstellung

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Gestern kam bei der Buchvorstellung von Austerität als politisches Projekt die Frage auf, ob Staaten Pleite gehen können und welche größeren Länder in den letzten Jahren zahlungsunfähig waren. Neben einer Wikipedia-Liste finden sich gleich mehrere Aufzählungen in der umstrittenen Studie von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff. Auch in der Broschüre Ist die ganze Welt bald pleite? sind wir auf die Frage eingegangen, wann Staaten pleite sind – keine einfache Frage: ›Pleite‹ ist ein schwieriger Begriff, wenn man ihn auf Staaten anwendet. Bei einem Unternehmen ist es leicht: Die Firma kann ihre Rechnungen oder Zinsen nicht mehr bezahlen, erhält von Banken keinen Kredit mehr. Es folgt das Insolvenzverfahren. Kommt der Insolvenzverwalter zum Schluss, dass nichts mehr zu retten ist, wird...

Das neue EZB-Gebäude soll 2014 eröffnet werden – Proteste sind angekündigt

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Am Wochenende diskutierten bei der internationalen Blockupy-Aktionskonferenz in Frankfurt am Main 450 TeilnehmerInen, wie es mit den europäischen Protesten 2014 weitergehen soll (siehe auch nd-Artikel). Im Mai soll es dezentrale Aktionstage geben und eine Transnationalisierung. In einer Pressemitteilung heißt es zudem: Im Mittelpunkt der Blockupy-Proteste im kommenden Jahr wird die Eröffnung des neuen Gebäudes der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main stehen. Das haben mehr als 450 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der internationalen Blockupy-Aktionskonferenz am Wochenende in Frankfurt beschlossen. »Die EZB plant für den Herbst 2014 ein ›großes Ereignis‹ – dieses Ereignis werden wir sein. Wir laden all diejenigen, die sich in Europa und darüber hinaus der Verarmungspolitik...

Mit dem Freihandelsabkommen TTIP will sich Deutschland einen guten Platz unter der Weltmarktsonne sichern.

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Nach der Pleite von Lehman Brothers 2008 war das Geschrei groß. Fast noch lauter war aber die Euphorie darüber, die Krise führe endlich dazu, dass der neoliberalen Marktgläubigkeit abgeschworen werde. Der Staat kehre nun zurück, die ÖkonomInnen hätten ihre Glaubwürdigkeit verloren. Viele Linke freuten sich über das bürgerliche Unbehagen am Kapitalismus im FAZ-Feuilleton. Die Strahlkraft des Neoliberalismus und die Versprechen des Freihandels würden verblassen, glaubten viele. Pustekuchen!

Keynesianism is not Necessarily Leftist

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Austerity policies in the EU are often presented as having no alternative.  Many leftists, on the other hand, hope for a better life from Keynesianism.  Jungle World spoke with me about the euro crisis, austerity, and Keynesianism.  My study »Austerity as a Political Project« was published this Summer. JW: What do you mean by “austerity as a political project”? IS: The title refers to contemporary developments in the eurozone.  I raised the question as to how the financial policy model of the balanced budget could be europeanized with the creation of the euro.  Ultimately, such policies don’t just fall from the sky, nor can they simply be derived from the dynamic of accumulation.  A political project integrates disparate social and political forces that do not necessarily consciously...

Immobilienpreise: Der Sachverständigenrat und der Sound des Sachzwangs

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Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung legte letzte Woche sein Jahresgutachten 2013/2014 vor. Es trägt den Titel »Gegen eine rückwärtsgewandte Wirtschaftspolitik«. Was mein rückwärtsgewandt? Etwa beim Problem der explodierenden Mieten? »Bei allen Eingriffen in den Preismechanismus ist zu bedenken, dass Preise in einer Marktwirtschaft wichtige Signale darstellen. Dies gilt natürlich auch für die vor allem in Großstädten stark anziehenden Immobilienpreise und Mieten. Sie spiegeln in erster Linie die wachsende Attraktivität dieser Regionen wider … Das Marktsignal höherer Preise trägt dazu bei, das durch Zuwanderung gestörte Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage wieder ins Lot zu bringen. Für Investoren wird ein Anreiz geschaffen, verstärkt in...

Keynesianismus ist nicht unbedingt links

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Axel Berger hat mich für die aktuelle Ausgabe der Jungle World zu meinem Buch »Austerität als politisches Projekt« interviewt.
Wir sprachen über die Grenzen von Staatsverschuldung, ob Keynesianismus links ist und ob ein Austeritätskurs und ein defizitärer Staatshaushalt ein Widerspruch sind.
Den erwähnten Text von Sabine Nuss zum Gebrauchsanleitungs-Kapitalismus findet ihr in der Zeitschrift LUXEMBURG.

Die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft geben eine Zugaben zum Wunschkonzert

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Im Februar diesen Jahres veröffentlichten die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft den Text »Krisenlösung als Wunschkonzert« in der Zeitschrift ak – analyse und kritik in der Hoffnung, eine Debatte über die Wirtschaftskrise anzustoßen und einige Illusionen, wie diese zu lösen wäre, zu kritisieren.
Daraufhin erschienen in ak Antworten von Dario Azzellini, Anna Dohm, Alexander Gallas und Jörg Nowak sowie Ingo Stützle.
Die Freundinnen und Freunde der klassenlosen Gesellschaft resümieren nun diese »Zugaben zum Wunschkonzert«.

Buchvorstellung »Austerität als politisches Projekt«

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Inzwischen schneidet ja nicht nur der NSA alles mit, sondern auch Bildungsträger und VeranstalterInnen, die den Menschen die Möglichkeit bieten wollen, an einer Veranstaltung teilzunehmen, die es nicht physisch zu einem Seminar oder einem Vortrag geschafft haben. Mir kam zu Ohren, dass diese Aufnehmeritis tatsächlich genutzt wird – beim Kochen, Joggen und in der Badewanne. Ende Oktober habe ich mein Buch »Austerität als politisches Projekt« ist Österreich vorgestellt – in Graz und in Wien. In Graz wurde mitgeschnitten und der Vortrag kann hier nachgehört werden. Bei Soundcloud gibt es den Vorteil, dass man Beiträge auch kommentieren, mit anderen NutzerInnen teilen und ›liken‹ kann. Bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung – etwa bei Veranstaltungen zu Marx –  wird deshalb...

Neulich bei der Weinprobe

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Als er noch linksradikaler Steinerwerfer war, da wurde er von den Bullen nur deswegen nicht einkassiert, weil er ein Lacoste-Langarmpolo trug. Und darüber einen blauen Blazer von Ralph Lauren. Geiles Teil. Nie hat ein Blazer so gut gepasst wie dieser.
Der Cptn.-Cork-Autor wollte eigentlich weißen Burgunder besprechen, kam aber wohl ins Plaudern (via Weinblog-Fan Fabian).

Zweck der Automatisierung und der Begriff des informationellen Kapitalismus

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Einer neuen Studie zufolge könnten in den USA schon in naher Zukunft 47 Prozent aller Jobs der Automatisierung »zum Opfer fallen«, so telepolis, die sogleich die Top-10 der am meisten gefährdeten Berufe anführen. Angesichts dieser durchaus berechtigten »Befürchtung«, zeigt sich erneut die Aktualität der marxschen Kritik. Im 13. Kapitel des ersten Bandes des Kapital, dem Kapitel über »Maschinerie und große Industrie«, zitiert Marx John Stuart Mills »Prinzipien der politischen Ökonomie«: Es ist fraglich, ob alle bisher gemachten mechanischen Erfindungen die Tagesmühe irgendeines menschlichen Wesens erleichtert haben. Marx kommentiert kritisch: Solches ist jedoch auch keineswegs der Zweck der kapitalistisch verwandten Maschinerie. Gleich jeder andren Entwicklung der Produktivkraft der Arbeit...

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