Urheberrecht: Sven Regener will weiter Musik machen und nicht ins Gesicht gepinkelt bekommen

Sven Regener hat sich gestern im BR-Zündfunk über die verlogene Umsonstkultur, YouTube und Piraten, die mit iPhoneApps Geld verdienen aufgeregt.

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

Eigentlich war ein Interview zum Urheberrecht geplant. Wer die Aufgeregtheit versteht und gleichzeitig auch irgendwie wieder nicht, lese doch von Sabine Nuss den Aufsatz »Naturalisierung als Legitimationsstrategie. Kritik der Debatte um geistiges Eigentum im informationellen Kapitalismus« [pdf].

»Dass in der aktuellen Debatte um geistiges Eigentum die sich diametral gegenüberstehenden Positionen die gleichen, stillschweigenden Vorannahmen zu Eigentum teilen – nämlich die Perspektive der Warenzirkulation – drückt sich auch darin aus, dass immer nur über geistiges Eigentum diskutiert wird. Diskutiert wird ausschließlich der Zugang zum bereits fertigen Produkt, der Zugang zu digitaler Musik, Film oder Software, der Zugang zu Ergebnissen aus der Biotechnologieforschung, aus der Pharmazie, etc. Letztlich reduziert sich die Debatte dann nur noch auf ein ›mehr oder weniger‹ an Zugang als Ergebnis eines weniger oder mehr restriktiven geistigen Eigentums. Die dem zugrunde liegende bürgerliche Eigentumsordnung selbst wird stillschweigend vorausgesetzt bzw. als gegeben angenommen. Sie ist jedoch systemnotwendig für eine Produktionsweise, in der die Herstellung von Musik, von Geschichten, Software, Medikamenten usw. nur das Mittel darstellt, um aus vorgeschossenem Kapital mehr Kapital machen zu können.«

Erschienen in: Ingo Elbe/ Sven Ellmers (Hg.): Eigentum, Gesellschaftsvertrag, Staat, Münster 2009

Dieser Beitrag wurde in allgemein veröffentlicht und getaggt , , . Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

6 Kommentare

  1. Am 23. März 2012 um 09:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Auf Regeners Ärger mit dem Verweis darauf zu reagieren, er würde sich ja nur im Rahmen der bürgerlichen Eigentumsordnung bewegen, finde ich sehr schwach. Selbstverständlich tut er das, und muss es tun, solange er noch im Kapitalismus seinen Lebensunterhalt zu verdienen versucht.

  2. Am 23. März 2012 um 09:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Das ist doch gar nicht der Punkt. Sabine Nuss geht es doch gerade darum, dass mit zweierlei Maß gemessen wird und dass bei digitalem Eigentum etwas sichtbar wird, was Eigentum im Kapitalismus generell auszeichnet. Es sollte deshalb nicht einfach darum gehen, sich für das digitale Eigentum einzusetzen (weil Voraussetzung für Kreativität und Einkommen). Aber genau daran krank die Debatte. Wie kann man die Debatte progressiv führen? Was wären linke Antworten auf dieses Problem? Was ist überhaupt das Problem? Macht es Sinn, so was wie die VG Wort, GEMA etc. auszubauen und die großen Unternehmen dafür zur Kasse zu beten? Oder gehorchen diese Verwertungsgesellschaften eine völlig eigenen Logik und sind die Kräfteverhältnisse derart aufgestellt, dass es keinen Sinn macht, diese als Terrain für diese Kämpfe in Betracht zu nehmen (Weil unmittelbare ProduzentInnen und Unternehmen an einem Strang ziehen)? Was ist mit einer Kulturflatrate? Welche anderen Optionen gibt es?
    Es stimmt, es macht wenig Sinn, auf das Problem damit zu reagieren, dass das böse Eigentum oder der Kapitalismus schuld ist (auch wenn es stimmt). Gleichzeitig sollte man eben auch nicht einen Diskurs stützen, der massiv von Kapitalinteressen und Unternehmen getragen wird, denen es gerade nicht darum geht, dass die KünsterInnen gut leben können und gute Musik machen. Genau diesen Punkt spricht doch Regener an. Aber er regt sich eben nur auf, und legt nicht den Finger in die Wunde. Und an diesem Punkt setzt Nuss‘ differenzierte Analyse ein, weil sie zeigt, dass sowohl die scharfen Befürworter geistigen Eigentums, als auch alle Couleur von Copyleft etc. mit den gleichen Prämissen diskutieren. Im Forum des BdWi hat sie es nochmals knapper ausgeführt und ein Streitgespräch zum Thema gibt es auch.

  3. Am 23. März 2012 um 12:54 Uhr veröffentlicht | Permalink
  4. Am 23. März 2012 um 14:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich habe das Buch von Nuss (Copyright und Copyriot) gelesen und war danach genau aus dem Grund enttäuscht. Sie holt weit aus, um bei etwas zu landen, was Marxistinnen seit hundertfünfzig Jahren wissen: Dass die Welt, in der wir leben durch Eigentumsverhältnisse, Warentausch und Kapitalverwertung strukturiert ist. Selbstverständlich gilt das auch für immaterielle Güter. (Der Aspekt des Copyriot kommt in ihrem Buch dagegen viel zu kurz.)

    Die von dir aufgeworfene Frage, wie man die Debatte progressiv führen kann, liegt mir dagegen auch sehr am Herzen. An anderer Stelle habe ich mir dazu ein paar Gedanken gemacht: hier und hier.

    Ich glaube es bräuchte wirklich innerhalb der Linken eine Diskussion auf angemessenem Niveau. Sie sollte von der Vorgabe ausgehen, dass der Schutz der Künstlerinnen-Interessen ohne Anrufung des Staates (sei es nach Repression, sei es nach Subvention oder Kulturflatrate) auskommen müsste.

  5. Peter (ein Urheber)
    Am 24. März 2012 um 13:38 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @Guido (#Erstellt am 23. März 2012 um 14:02)
    Es geht um einen Interessenkonflikt zweier Gruppen von Verwertern. Die einen verdienen daran, die Urheber unter Vertrag zu nehmen, die anderen verdienen an der Verteilung beliebiger, aber eben auch dem Urheberrecht unterliegender Inhalte. Eigentumsverhältnisse sind Gegenstand eines Gesellschafts-Vertrages. Wer eine produktive Kulturlandschaft haben will, muss die Interessen der Urheber gegen BEIDE Gruppen schützen. Dazu gehörte zum Beispiel ein Gesetz, dass die Verwertungsrechte unter allen Umständen nach einigen Jahren wieder an die Schöpfer zurückgibt. Und zwar als nicht veräußerbares Recht. Damit würde der Warencharakter der Werte eingeschränkt, ohne ausufernde Subventionen, Verwaltungsapparate und Verzicht auf Wettbewerb im Kulturmarkt zu etablieren.

  6. Am 27. März 2012 um 16:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @Peter (27.3.2012, 17:41)
    Ich denke du hast recht, und die genannte Forderung scheint mir plausibel und progressiv. Mittelfristig würde ich mir allerdings wünschen, dass das Copyright ganz verschwinden und der kulturelle Reichtum im Netz allen zur freien Verfügung stehen könnte. Mir ist aber auch klar, dass dies unter kapitalistischen Rahmenbedingungen ohne Schaden für die Künstlerinnen/Urheberinnen kaum zu machen ist. Schritte in die richtige Richtung sind m.E. solche, mit denen sie sich von beiden von dir genannten Verwertergruppen möglichst unabhängig machen.

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Sie können diese HTML-Tags und -Attribute verwenden <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*
*

  • Archiv

    März 2012
    M D M D F S S
    « Feb   Apr »
     1234
    567891011
    12131415161718
    19202122232425
    262728293031